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Orlanding the Dominant · QUEER PERFORMATIVITIES – Kurzfilmprogramm


QUEER PERFORMATIVITIES – Kurzfilmprogramm

QUEER PERFORMATIVITIES – Kurzfilmprogramm

Filmauswahl/Präsentiert von Johanna Schaffer

Gender-gequeerte Avatare, digitale Joyrides durch Schwulenpornos, queere Pixel-Buddies, von Kakteen gesäumte Liebeslieder: Das Kurzfilm-/Video-/Visuals-Programm Queer Performativities zeigt Bilder, die sich nicht sofort erschließen und fordernd sind. Ausgangspunkt des Programms ist der vom Begriff ‚performativities‘ ermöglichte Raum zwischen ‚Performance‘ als Kunstgenre und ‚performativ‘ als theoretischem Begriff, der betont, dass Darstellungen und Äußerungen Wirklichkeiten nicht nur beschreiben, sondern auch herstellen. Unbequem-schöne Bilder – meet the challenge! (Johanna Schaffer)

WHAT YOU SEE IS WHAT YOU GET

Österreich 2005, Digital, Farbe, 12 min, OF
Video: Stefanie Seibold

Stefanie Seibolds Video ist der Überrest einer auf dem wegweisenden queeren Film The Killing of Sister George (1969) basierenden Performance. Zwischen die in einem Frauenclub gedrehte Szene wurden Schwarzbilder geschnitten. Das Resultat ist eine Meditation über Gleichheit und Differenz (oder die explosiven Differenzen in vermuteter Gleichheit) und über die Leidenschaften, die filmische Identifikationen entfesseln können, wenn sich ein Bild seinem Nachbild hingibt. Als ein dreifaches historisches Dokument – einer Performance, die auf einem Film basiert, der selbst die Bearbeitung eines Theaterstücks ist – ermöglicht Seibolds Video ‚dir‘ (‚uns‘) flüchtige Blicke auf die Fähigkeit des Kinos, das Unsichtbare zu porträtieren. Im vorliegenden Fall sind das die gesellschaftlichen Spaltungen, die Frauen zum einen entfremden, aber ihnen und uns gleichzeitig die gegenseitige Identifikation in der Menge ermöglichen. (Antony Hudek)

A remnant of a performance based on the pioneering queer film The Killing of Sister George (1969), Stefanie Seibold’s video intercuts an allwoman club scene from the film with black frames. The result is a meditation on sameness and difference (on the explosive differences in assumed sameness) and on the passions filmic identification can unleash when an image surrenders to its afterimage. A triple historical document, then, of a performance based on a film (itself adapted from a stage play), Seibold’s video leaves ‘you’ (‘us’) with glimpses of cinema’s capacity to portray the invisible: here, the social divisions that at the same time alienate women and allow them, and us, to identify with each other in a crowd. (Antony Hudek)

Stefanie Seibold Ist Künstlerin und arbeitet mit Performances, Installationen, Video und Sounds. Sie unterrichtet „Performance und Gender“ an der Kunstuniversität Linz, kuratiert Ausstellungen und Räume in Wien und ist zusammen mit Carola Dertnig Herausgeberin des Buchs „Let’s Twist Again – Performance in Wien von 1960 bis heute“, Gumpoldskirchen: DeA-Verlag 2006.

Videos: Das Oberstübchen (2006), Sentimental Fool (2005), City of Women (2004), Selfportrait as an Artist (2002), Gretel Rules OK (2001). www.clevergretel.com

VIDEO 4 QUEER BUDDIES

Österreich 2009, Digital, Farbe, 3 min, ohne Dialog – Österreich-Premiere
Video (Visual): Helga Hofbauer

Video 4 Queer Buddies nimmt Catharina Landströms „Queering Space for New Subjects“ (http://www.intertheory.org/clandstrom.htm) als konzeptuelle Inspiration. Das Video übersetzt diese Inspiration in visuelle Themen, z.B. die Matrix als sehr frühes Bild, um programmierbare Welten und Cyberspace zu bezeichnen, und Avatare – gender-gequeerte, pop(feministische) Spielfiguren, die sich über Zeit und Raum ausdehnen, sich tausendfach verdoppeln, miteinander verflechten, vermischen und sich queer reproduzieren.

Helga Hofbauer: Umtriebig im queer-aktivistischen Feld. MusikerIn in diversen feministisch-queeren Bands. Visuals und Musik. Arbeit und Kurse in Videobearbeitung, Grafik- und Internetanwendungen.

Filme, Videos/Films, Videos (Auswahl/Selection): queering the snowman (2008), Arbeitstraum (gemeinsam mit/together with Bernadette Dewald, Cristiane Tasinato, Danielli Karla, Débora Leao Bastos, Florina Platzer, Marissa Lobo Obczernitzki, Tereza F. Engleder, Vlatka Frketi􀀀, 2006).

CANDAN

Deutschland 1998/2005, Super 8, Farbe, ca. 3 min, ohne Ton
Regie, Kamera, Schnitt: Madeleine Bernstorff, Elke aus dem Moore. Postproduktionsschnitt: Angelika Levi

Candan (türk.): herzlich (dt.)
„Homosexualität als Asylgrund“ steht auf einem Transparent, das über der Oranienstraße in Kreuzberg/Berlin hängt – eine Forderung der schwulen, lesbischen und transsexuellen Communities. Die Super-8-Kamera schwenkt auch auf andere Transparente, die auf Türkisch und Arabisch alle Besucherinnen des Christopher Street Days 1998 willkommen heißen. ... Der Film lässt das Publikum am Glamour der Diven und DJanes Lale Lokum, Sabuha Sallam und DJ Ipek teilhaben und auch an der Attraktivität der auf der Bühne performten transsexuellen Alternative zur heterosexuellen und mehrheitsdeutschen Norm – Feier und zugleich politisches Manifest. Mit seinen maximal drei Minuten pro Rolle ist der Film ein Statement für die gelegentliche Miniatur, der Film ist während des Drehens in der Kamera geschnitten. Aus der Beiläufigkeit des Gefilmten, dem Aufscheinen der Transparente, den Straßenszenen und SängerInnen entsteht so ein parteiisches, alternatives historisches Dokument. (Susanne Leeb, Kurzführer „Projekt Migration“, Kölnischer Kunstverein 2005/2006).

Madeleine Bernstorff: Filmkuratorin und Lehrende, gelegentliche Super-8-Filmerin. Lebt in Berlin. Bernstorff und Elke aus dem Moore haben gemeinsam das Fanzine „miesmuschel“ (1994–1996) produziert und zusammen Super-8-Filme gemacht.
Elke aus dem Moore: Kuratorin, Künstlerin, lebt und arbeitet in Stuttgart.

SAVE A HORSE RIDE A COWBOY

Deutschland/Österreich 2009, Digital, S/W/Grau, 5 min, ohne Dialog – Österreich-Premiere
Video: An Kaler

Konzept, Tanz, Schnitt: An Kaler. Kamera: Andrea Keiz, Gregory Holt, An Kaler. Fotos: Sushila Mesquita, David Bergé. Special Thanks an AndreaGeyer und Denice Fredriksson

Als Videoadaption einer Performance kombiniert SAVE A HORSE RIDE A COWBOY verschiedene Video- und Foto-Materialien, z.B. Ausschnitte einer Videodokumentation einer Performance, Recherchefotos, Footage eines verlassenen Vergnügungsparks und eines Westernreittuniers in Wiener Neustadt. SAVE A HORSE RIDE A COWBOY untersucht die höchst theatralen Lifestyle-/Drag-Komponenten des Westernreitens und von Westernreittunieren in einem mitteleuropäischen (speziell österreichischen und deutschen) Kontext. Sowohl die Performance als auch die Videoadaption erforschen das, was am Cowboy als quasi archetypischem weiß-männlich-heterosexuellen Helden in Mainstreamerzählungen an Anziehendem und Entfernendem so anziehend und entfremdend funktioniert, indem sie mit den verschiedenen Schichten des ‚Drags‘ sowie mit Bildern von Landschaft und Begehren spielen. Involviert ist hier auch das Begehren de_r Künstler_in und ihr Interesse an queeren Räumen und ‚in-between spaces‘ (An Kaler)

An Kaler: Studiert Zeitgenössischen Tanz und Choreographie am Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz (HÜZ) der Universität der Künste Berlin. Von 2001–07 Studium an der Universität für angewandte Kunst. An lebt und arbeitet derzeit in Berlin und Wien.
Videos: At Home with the Dancing Boodies (2007/08), Do Androgyns Dream of Electric Sheep (2006, identities 2007).

JOYRIDE

Österreich 2009, Digital, Farbe, ca. 5 min, ohne Dialog – Österreich-Premiere
Video (Visual): Markus Hausleitner

Grundlage des Videos ist ein System aus Spuren, Primzahlen und digitalen Fehlerquellen. Ausgangsmaterial waren fünf Gay-Pornos oder Sequenzen daraus, die aus dem Internet geladen wurden (z.B. bei youporn). Danach wurden sie in andere Formate ‚konvertiert‘ – so lange, bis sich das Bild selbst zerstört, teilweise zerstört bzw. in andere Bilder (Pixel) transformiert hat. Die neuen Videos wurden wieder abgefilmt (digital mit Screen-Capture-Programmen), und dann in zwei, drei, fünf, sieben Spuren übereinandergelegt. Der Sound funktioniert ähnlich. Drei Spuren Sound wurden übereinandergelegt und die BPM (‚beats per minute‘) angepasst. Am Ende liegen zwei Spuren (erste Primzahl) übereinander, wobei eine Spur invertiert wurde (= läuft rückwärts). (Markus Hausleitner)

Markus Hausleitner: Leitete die Dekorationsabteilung des Turek Workshop Modeunternehmens, studierte danach Modedesign an der Universität für angewandte Kunst in Wien, war Teil des Kollektivs, das den Kunstraum auto betrieb und ist Teil des Modelabels „house of the very island’s …“, das mit nationalen und internationalen Modepreisen ausgezeichnet wurde. Gemeinsam mit Ute Hölzl betreibt er zudem den Club „Strom +-“.

Weitere Videos: dear sirs! Fuck you. (media player.ink series) (2008), Visuals für Clubs von „Strom +-“ und „darkness is not the absence of light“ (seit 2007), seit 2003 Videos für die Kollektionen des Labels „house of the very island’s …“: contemporary witchcraft, chleb c maslem, boomboombastic, infinite prime, syncopation // a (x+13, y-17), jenka’s trauma, wizzard of buffalo, our kingdom come (mit der Gruppe „die familie“, 1999–2002).

INCOME

Schweiz/Österreich 2007, Digital, 2 Videos, Farbe, ca. 3min, ohne Dialog
Videos: Schmetterling (Butterfly), Schwanz (Tail)
Konzept, Kamera, Schnitt: Michail Michailov. Künstlerische Mitarbeit: Hannes Anderle

Die Realisierung des Projekts Income verdankt sich der Tatsache, dass mir 2.000 Schweizer Franken als ‚Produktionszuschuss‘ zur Verfügung gestellt wurden, um eine neue Arbeit für das Paul Klee Zentrum, Bern zu produzieren. Im wahrsten Sinne des Wortes machen diese 2.000 Franken das Primärmaterial meines Projektes aus. Das Projekt besteht aus zwei Videos (Schmetterling und Schwanz), in denen ich die Geldscheine als zusätzliche Gliedmaßen und Flügel verwende, sowie aus einem aus Geldscheinen gefertigten Fell. Teil des Konzeptes war, dass mir als Künstler keine Kosten durch die Erzeugung der Arbeit entstehen, vielmehr ermöglicht mir diese ein Einkommen. Wenn die Arbeit nicht verkauft wird, kann ich sie in ihr Primärmaterial zerlegen … (Michail Michailov)

Michail Michailov: Geboren 1978 in Veliko Tarnovo, Bulgarien, lebt und arbeitet seit 2001 in Wien. Studium der Malerei an der Fakultät für Bildende Künste, Bulgarien.

Videos: Emerging (2008), Der rechte Augenblick (The Right Moment, 2007), Die Arbeit (The Work, 2007), Wall of Fame (2006), Der Kubus (The Cube, 2005/06). http://michailmichailov.com

HOSPITALITY

USA/Italien 2005, Digital, Farbe, 15 min, englische/italienische OF mit engl./ital. UT
Video: Wu Ingrid Tsang

Hospitality ist eine experimentelle Erzählung über die sogenannten Ursprünge eines politischen Subjekts. Grundlage ist eine Serie von Gesprächen, die ich im Sommer 2005 in Mailand mit Gruppen und Einzelpersonen führte, die durch queer/feministische Identitäten mit mir verbunden waren. Formal bezieht sich das Video auf die Frage, wie ‚Stimme‘ in einem durch Identität und Repräsentation begründeten Szenario funktioniert. (Wu Ingrid Tsang)

Wu Ingrid Tsang: Lebt als Künstler_in und Veranstalter_in in Los Angeles. Er arbeitet vor allem mit ‚Stimme‘ als physischem Medium und als Metapher in Fotografien, Installationen, Performances und Filmen. Seit 2008 betreibt er mit anderen die wöchentliche Performanceserie „Wildness“ (http://realwildness.com) und den kollektiven Kunstraum Imprenta (http://imprentala.org). Performanceauftritte unter dem Namen Marriage, einer 2005 gemeinsam mit Math Bass gegründeten Multimediakollaboration. Er ist Master of Fine Arts Student an der University of California Los Angeles und studiert Belcanto Gesang bei der Opernsängerin Juliana Snapper.

Videos: The Shape of a Right Statement (2008); gemeinsam mit/together with Marriage: Dead in the Desert (2006), Small and Devastated Stage (2006), Dead Tech (2006). www.ingridtsang.com

SOMETIMES YOU FIGHT FOR THE WORLD,

SOMETIMES YOU FIGHT FOR YOURSELF

Deutschland 2004, Digital, Farbe, ca. 5 min, OF
Regie, Kamera, Schnitt: Pauline Boudry, Renate Lorenz. Mit: Werner Hirsch (das abstrakt Männliche), Arantxa Martinez (das abstrakt Weibliche)

Setting des Videos ist ein im 19. Jahrhundert angelegter botanischer Garten, in den Hauptrollen zu sehen ein gender-queeres Duo, das die Worte des Songs „Her Story“ der New-Wave-Band The Flying Lizards mimt. Der Text des Songs über die Ökonomie der Liebe wird so innerhalb der Geschichte der Sexualität und des Imperialismus verortet und verweist auf historische Kolonialismen und deren zentrale Angelpunkte: Geld, Begehren und die Obsession für Andersheiten und männliche/weibliche Kodierungen. In seiner queeren Aneignung der Geschlechter und des Exotischen verweist das Video auch auf den Avantgardefilmemacher Jack Smith. (Renate Lorenz, Pauline Boudry)

Renate Lorenz und Pauline Boudry: Produzieren Filme und Installationen mit Fokus auf queere und postkoloniale Praxen und Diskurse sowie auf die Bedeutung von Sichtbarkeit und Wissensproduktion.

Gemeinsame Filme, Videos/Collective Films, videos (Auswahl/Selection): SalomÈ (2009), N.O.Body. (Installation mit Film und 47 Fotografien/installation with film and 47 pictures, 2008), Normal Work (Installation mit Film und 13 Fotografien/installation with film and 13 pictures, 2007), Copy me – i want to travel (gemeinsam mit/together with Birgit Kuster, 2004), blaumann (2000). www.boudry-lorenz.de

11/06/09


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